[Review] Hybrid

Hybrid

Wir schreiben das Jahr 2031: Ein Meteorit apokalyptischen Ausmaßes kracht auf die Erde und tötet mehrere Milliarden Menschen. Doch als ob das noch nicht genug wäre, wird ein Großteil der wenigen Überlebenden von einem außerirdischen Virus befallen, der sich auf dem Gestein aus dem All befand, woraufhin eine neue Rasse, genannt Variant, entsteht: Halb Mensch, halb Alien – ein Hybrid. Sechs Jahre später starten die Variant eine globale Offensive gegen die restliche Menschheit. Von nun an gibt es Krieg, wobei die menschliche Seite von den sogenannten Paladin verteidigt wird, die sich mit allen Mitteln gegen die Hybrid-Rasse zu wehren versuchen. An diesem Punkt beginnt das Spiel und stellt euch gleich vor die wichtigste Entscheidung: Paladin oder Variant? Wie ihr euch auch entscheidet, von jetzt an seid ihr Teil eines weltweiten Krieges gegen den von euch selbst gewählten Feind.

Routine oder Innovation?

Heutzutage muss jeder gute Shooter ein paar obligatorische Features eingebaut haben, die zwar erwartet werden, jedoch lediglich wie Routine wirken: Ein breites Waffenarsenal ist ein Muss, Granaten überraschen niemanden mehr, ein gut funktionierendes Deckungssytem ist Pflicht und selbst Jetpacks gehören schon fast zum Alltag. Und obwohl Hybrid das alles vereint, geht es doch neue Wege.

Das Fortbewegungssystem ist komplett anders als in den sonstigen Shootern, denn statt über weitläufige Arsenale zu rennen, zu laufen oder zu schleichen, gibt es lediglich überall verteilt kleine Inseln, die entweder auf dem Wasser schwimmen oder in der Luft schweben. Ihr bewegt euch fast nur via Jetpack, mit dem man sich von Plattform zu Plattform hangelt. Allerdings fliegt ihr nicht selbst, sondern visiert lediglich die nächste Insel an und kommt dann per Knopfdruck automatisch dort hin, könnt jedoch mitten im Flug das Ziel ändern, sollten die Gegebenheiten dies erfordern. Das hat den Vorteil, dass ihr euch beim Schweben komplett auf das Kampfgeschehen fokussieren könnt: Ein eingebauter Booster, sowie die Möglichkeit auch im Flug zu schießen, sorgen für einige taktische Finessen, jedoch seid ihr auch ein leichteres Zeil für feindliche Kombattanten, also ist sinnloses Herumspringen nicht unbedingt geraten.

Auf den Plattformen selbst gibt es fast überall Mauerwerk und andere Deckung, die als Schutz dienen. Seid ihr also gelandet, gilt es sich schnellstens hinzuhocken, die feindlichen Stellungen zu identifizieren und loszufeuern. Dabei führen bereits einfachste taktische Maßnahmen zum Erfolg: Während ein Mitkämpfer euch Feuerschutz gibt, fliegt ihr zu einer von Feinden besetzten Plattform, benutzt die Mauer als Deckung, die bereits auf der anderen Seite von Gegnern okkupiert wurde und schießt halbblind über diese Mauer, während eure Alliierten nachrücken.

Taktik, Taktik, Taktik

Das ganze Spiel ist voll mit taktischen Entscheidungen. Es beginnt bereits am Anfang einer neuen Map, denn dann müsst ihr euch für eine Waffe sowie für eine Fähigkeit entscheiden. Am Ende einer Partie bekommt ihr Erfahrungspunkte, mit denen ihr neue Waffen und Fähigkeiten freischaltet, beziehungsweise diese verbessert. Dabei bleibt es euch vollkommen selbst überlassen, was und wann ihr etwas freischalten wollt. Und die Möglichkeiten sind gar nicht mal so gering: Maschinengewehre, Sturmgewehre, Shotguns, Scharfschützengewehre und Pistolen, sowie ein paar ungewöhnlichere Waffen komplettieren das Arsenal. Ähnlich wie in Halo kann man sich eine Fähigkeit aussuchen, die dann für die aktuelle Map zur Verfügung steht: Das Tragen von Granaten, die Fähigkeit, Gegner auch durch Mauern sehen zu können oder Munition, die kurzzeitig mehr Schaden verursachen kann, sind nur einige Beispiele. Diese Fähigkeiten brauchen nach dem Benutzen einige Zeit, um sich wieder aufzuladen und einsatzbereit zu sein.

Ein weiteres taktisches Element sind die Drohnen, die man mit Killstreaks freischalten kann. Nach einem, drei und fünf Kills bekommt man einen solch selbstständig agierenden Begleiter, der euch entweder folgt oder im Suchmodus Feinde ausfindig macht und diese angreift. Zerstört ihr gegnerische Drohnen, erhöht das ebenfalls eure Killstreak, doch das gilt natürlich auch umgekehrt, wodurch sich interessante Fragen auftun: Ist es gerade sinnvoll, meine Drohne umherfliegen zu lassen, wodurch ich eventuell dem Gegner einen Free-Kill schenke? Oder sollte ich sie bei mir lassen, was jedoch dazu führen kann, dass die anfliegenden Feinde nicht nur einen, sondern gleich zwei Kills bekommen.

Die Philosophie von Hybrid ist dabei sehr klar gehalten: Actiongeladene Kämpfe stehen im Mittelpunkt, taktisches Geplänkel ist trotzdem ein großer Aspekt des Spiels. Die verschiedenen Modi reihen sich perfekt in diese Philosophie ein, denn egal ob man sich in einem Team-Deathmatch befindet, verschiedene Zonen erobern beziehungsweise verteidigen muss oder einen anderen Modus ausprobiert – Action und taktisches Kalkül kommen nie zu kurz.

Weite Welt ist weltweit

Die Geschichte rund um Hybrid spielt nicht einfach nur weltweit – nein, die Entwickler haben den Begriff „weltweite Offensive“ wortwörtlich verstanden. Es gibt nur einen einzigen, weltweiten Server. Gegliedert in einzelne Gebiete kämpft man sich also rund um die Welt und sammelt nicht nur für sich selbst Punkte, sondern auch für die eigene Rasse. Nachdem man sich nämlich für eine der beiden Fraktionen entschieden hat, möchte man die Schlacht, die auf dem ganzen Erdenrund tobt, auch gewinnen. Wird ein neues Gebiet erobert, bekommt diese Rasse zwei Dunkle Materie, erobert man ein Gebiet, das bereits der anderen Fraktion gehört, bekommt man eine Dunkle Materie. Hat eine Rasse nun 100 Dunkle Materie gesammelt, gewinnt sie die aktuelle Saison und alles beginnt von vorne.

Ein paar wenige negative Aspekte gibt es leider trotzdem zu erwähnen. So leidet die Balance im Spiel etwas, denn obwohl die Waffen größtenteils ungefähr gleichstark sind, kann man sich einen Vorteil erarbeiten, indem man schon früh eine Waffe findet, mit der man gut zurecht kommt und diese verbessert. Jemand, der erst alle Waffen freischaltet, hat natürlich einen Nachteil. Das mag nicht allzu unfair sein, doch was auf jeden Fall an Unfairness grenzt, sind manche Fähigkeiten im Vergleich zu anderen. Hat man nämlich zum Beispiel das Teleportieren von Deckung zu Deckung freigeschaltet, wird man auf andere Fähigkeiten kaum zurückgreifen. Natürlich versucht man das mit unterschiedlich langen Cooldowns auszugleichen, doch ändert das nicht wirklich was an der unterschiedlichen Stärke der Fähigkeiten.

Ein wirklich großes Problem sind jedoch die Serverprobleme, die sich seit dem Release zwar kontinuierlich verbessert haben, jedoch immer noch stark ins Spielgeschehen eingreifen. So ruckelt Hybrid manchmal einfach, wenn zu viele Mitspieler auf derselben Map sind. Das Matchmaking sucht ganz gerne über fünf Minuten lang nach einem Match und selbst wenn dann eines gefunden wurde, bedeutet das nicht, dass die Connection auch stabil läuft. Oftmals bleibt nichts anderes übrig, als sich erneut einzuloggen und die Suche von vorne beginnen zu lassen.

Fazit

Mit Hybrid hat 5th Cell definitiv ein innovatives Spiel auf den Markt gebracht, das sich in keiner Weise vor den großen Konkurrenten verstecken muss. Natürlich wird das Fehlen einer Kampagne viele Casual-Spieler abschrecken, doch wer darauf verzichten kann, bekommt wirklich actionreiche Kämpfe, ein gutes Erfahrungssystem, sowie ein großes Waffenarsenal, das jeder Spielweise gerecht wird. Dazu kommt eine gute Portion an Taktik, die man zunächst gar nicht so erwartet. Wenn die Serverprobleme behoben werden und hier und da etwas an der Balance gefeilt wird, kann sich Hybrid mit Sicherheit auch langfristg auf den Xboxen auf der ganzen Welt halten.

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