[Review] Jagged Alliance: Crossfire

Jagged Alliance: Crossfire

Bereits ein halbes Jahr nach dem Erscheinen von Jagged Alliance: Back in Action erscheint mit Crossfire ein Stand-Alone Add-On, das nicht einfach nur ein wenig Zusatzinhalt bietet, sondern tatsächlich mit richtig viel Stoff daher kommt. Neue Waffen, neue Gegenstände, viele neue Missionen und vor allem zehn neue Söldner sollen den Spieler nicht nur bei der Stange halten, sondern ihn stundenlang fesseln. Ob das gelingt, haben wir für euch gestestet.

„Rette mein Land, Geld spielt keine Rolle!“

Mit diesem Satz überfährt euch Banham Atigullah fast, nachdem ihr seinen Anruf entgegen genommen habt. Sein Land wurde von Jeniten übernommen und unser Profil passt genau auf die jetzt zu erledigenden Aufgaben: Khanpaa von den feindlichen Komberttanten befreien und den Anführer der feindlichen Armee, Jurjen Bolazwen, ausschalten. Dafür werden 30.000$ als Startkapital bereit gestellt, mit dem ihr die ersten beiden Söldner anheuern werdet. Zusätzlich bekommt ihr pro Tag einen gewissen Betrag auf euer Konto gut geschrieben, abhängig von der geleisteten Arbeit.

Nachdem das Finanzielle also klar ist, steht ihr auch schon am Rande einer Hafenstadt im Westen des Landes und beginnt euren Zug durch die zu befreienden, strategischen Punnkte des Landes – wie zum Beispiel ein Wasserwerk oder alte Tempelruinen. Immer wieder trefft ihr auf Einheimische, die ihr entweder anwerben könnt, damit sie die eroberten Gebiete vor umherstreifenden Jeniten verteidigen. Oder aber sie arbeiten als Händler und verkaufen Waffen, Monition oder Schutzkleidung. Und natürlich haben sie auch immer wieder kleine und große Aufträge für euch, die meistens darin bestehen, dass ihr Familien- oder Ordensmitglieder finden sollt oder verlorengegangene Gegenstände finden müsst. So kämpft ihr euch also durchs Land, stets auf der Suche nach den Anführer der Jeniten.

Hirnschmalz statt Muskelkraft

Wer den Vorgänger nicht gespielt oder schon wieder alles vergessen hat, sollte, bevor er sich ins Abenteuer stürzt, erst einmal das Tutorial durchspielen. Dabei lernt ihr nicht nur die Grundzüge, wie schießen oder Ausrüstung aufnehmen und benutzen, sondern auch erste kleine taktische Finessen. Wer jedoch Jagged Alliance: Back in Action gespielt hat, der findet sich sofort zurecht, denn die Spielmechanik ist absolut identisch mit dem Add-On.

Bereits der erste Stützpunkt zeigt, dass man mit wildem Geballer nicht weit kommt, denn in Häusern verschanzte Gegner machen Hackfleisch aus euren Söldnern, wenn ihr einfach frontal hinrennt, statt euren Grips zu benutzen. Sinnvoller ist es nämlich, wenn man sich einen Plan zurecht legt und sich anschleicht um zu meuchelmorden, Patroullienwege beobachtet, Wände wegsprengt um sich alternative Eingänge zu verschaffen oder einen Überraschungsangriff von einem Dach aus startet. Selten sind große Schießereien hilfreich, auch wenn sie sich manchmal nicht umgehen lassen.

Kommt es dann zu einem der zahlreichen Schusswechsel, hat man immer noch viel Möglichkeiten zum Nachdenken. Es gibt unterschiedliche Waffengattungen, wie Handfeuerwaffen, halb- und vollautomatische Gewehre, Scharfschützenwaffen, Messer und Säbel. Dazu kommen noch Granaten für jede Situation: Rauchgranaten, um Gegnern die Sicht zu vernebeln, Blendgranaten, um Häuser zu stürmen und Splittergranaten – für denn Fall, dass eine etwas grobere Herangehensweise gefragt ist. Hat man also die Waffe der Wahl ausgerüstet, visiert man als nächstes die Angriffsfläche an: Ein Kopftreffer verursacht den höchsten Schaden, hat jedoch eine geringere Trefferwahrscheinlichkeit als Torso und Beine. Dazu gibt es noch die unterschiedlichen Haltungen beim Schießen: Im stehen mit angelegter Waffe trifft man eher, als wenn man aus der Hüfte heraus schießt, ist dafür im Gegenzug auch etwas langsamer. Im Knien trifft man noch einmal besser, bewegt sich jedoch nur im Kriechgang vort und im Liegen hat man die beste Schussposition, ist jedoch nicht in der Lage, vor anstürmenden Gegnern davon zu rennen.

Neue Gebiete und Altlasten

Absolut neu ist das Setting, das euch diesmal nicht nur in Wüstenregionen versetzt, sondern auch schneebefallene Berge im Petto hat. Auf höchster Auflösung sieht man sogar Fußspuren im Schnee beziehungsweise im Sand, was jedoch leider keine Auswirkungen auf das Spiel an sich hat, denn Gegner ignorieren eure Fußspuren einfach. Trotzdem ist das alles sehr schön anzusehen und die Gebiete sind sehr abwechslungsreich gestaltet.

Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt, denn ein paar negative Aspekte gibt es trotzdem. Manchmal ist die KI einfach nur zum heulen: Manche Gegner tragen lediglich einen Säbel und keinerlei Schusswaffe, was bedeutet, dass sie einfach gerade auf euch zu rennen und hoffen, bei euch zu sein, bevor eure Kugeln sie durchlöchert haben, was gerade am Anfang mit schlechten Waffen gar nicht so unwahrscheinlich ist. Doch auch da gibt es eine einfach Taktik: Einer läuft weg, die anderen schießen.

Schnell nervend werden auch die Stimmen der eigenen Söldner, denn wenn man zum zehnten Mal innerhalb von fünf Minuten in schlechtem französischen Aktzent „Oh noe, isch ‚atte ge’offt, wir würden jetzt nischt auf sie treffèn!“ hören musste, dann stört das nur noch und trägt nicht zur Atmosphäre bei. Außerdem nutzen sich Waffen zu schnell ab, wodurch sie manchmal blockieren und in Schusswechseln dann kurzzeitig nicht feuern. Gerade am Anfang, wenn man noch nicht in der Lage ist, sie zu reparieren, ist das sehr frustrierend. Trotzdem gibt es auch einige Verbesserungen im Vergleich zum Hauptspiel, wie zum Beispiel die verbesserte Loot-Funktion oder die KI, die trotz der eben genannten Kritik allgemein ein höheres Level erreicht hat.

Fazit

Mit 18 Missionen ist Jagged Alliance: Crossfire sogar etwas umfangreicher als das Hauptspiel. Außerdem gibt es einige Verbesserungen, die alle nett sind – doch leider nicht das, was sich Fans erhofft hatten. So sind die Menus immer noch sehr unübersichtlich gestaltet und eine Schnellspeicherfunktion vor größeren Schlachten gibt es auch nicht. Im Prinzip bekommt man mit dem Add-On das gleiche Spiel wie mit Back in Action, allerdings mit neuen Gebieten und alten Ärgernissen. Wer also das Hauptspiel mochte, der wird auch hier seine Freude haben. Wer jedoch auf ein neues Spielgefühl wartet, der sollte lieber noch weiter warten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.