[Review] Rune Factory: Oceans

Rune Factory: Oceans

Erneut wagt sich mit Rune Factory Oceans ein Spiel auf eine nicht-Nintendo Konsole, welches das typische Spielprinzip von Harvest Moon mit kampfbetonten Dungeon-Erkundungen und neuerdings auch Meeresreisen verbindet. Ob dieses Spielprinzip aufgeht, erfahrt ihr im folgenden Test.

Zwei Seelen schlagen in meiner Brust

Die Geschichte unserer zwei Helden Sonja und Aden beginnt auf der ruhigen und beschaulichen Insel Fenith. Dort leben sie mit anderen Dorfbewohnern ein frohes, wenn auch eher langweiliges Leben, bis die beiden eines Tages von einem gemeinen Fluch getroffen werden, der sie in eine sehr fremdartige Version ihres Heimatdorfes versetzt. Außerdem verliert Sonja ihren Körper und lebt fortan im Körper des Jungen, was jedoch im Alternativ-Dorf niemanden zu wundern scheint. Überhaupt geschehen dort übernatürliche und magische Dinge am laufenden Band: In einer kleinen Zeremonie wird ein Samen für unsere Helden gepflanzt, doch der erwartete Baum erscheint nicht. Stattdessen tritt ein Pflanzengolem auf den Plan, der von nun an als Gefährte an der Seite unserer Helden lebt. Er dient als Boot, um das Meer zu überqueren oder als Kampfgefährte gegen Seeungeheuer.

Manchmal findet man sogar eine versunkene Insel auf dem Meeresgrund, die dann kurzerhand vom Golem heraufgeholt wird. Auf diesen Inseln müssen dann allerlei Abenteuer und Kämpfe bestritten werden. Doch das Hauptziel wird niemals aus den Augen verloren: Den Fluch brechen, Sonjas Körper zurückholen und selbstverständlich das eigene Landgut am Laufen halten.

Hey-ho, spann den Wagen an…

Bereits nach den ersten Minuten Spielzeit erkennt man sofort, dass sich Rune Factory Oceans im typischen Harvest Moon – Setting einbettet: Es gibt einen Tag- und Nachtzyklus, sowie Werktage und Wochenende. Feste werden an bestimmten Tagen gefeiert, Personen sind nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten anzutreffen, Freunde gewinnt man durch Geschenke, gute Gespräche oder durch Beschaffung bestimmter Gegenstände, die am schwarzen Brett ausgeschrieben werden. Später kann man sogar heiraten und eine Familie gründen. Dazu kommt, dass man das eigene Haus und Gut verbessern und aufrüsten kann, indem man Equipment auf dem Markt kauft. Dadurch kann man Gegenstände schmieden, Tränke brauen, Gerichte kochen und Einrichtungen schreinern, wodurch man zum Beispiel an Heiltränke oder Angelruten kommt, die man aus gekauften, gefunden oder selbst erzeugten Gegenständen herstellt.

Außerdem muss man noch das Ackerland bestellen, Monster füttern und natürlich die Rohstoffe wieder einsammeln. Diese Routineaufgaben nehmen sehr viel Zeit in Anspruch, obwohl das bekannte und beliebte System stark vereinfacht wurde. Statt der zeitintensiven Arbeit mit sähen, wässern und Boden umgraben besitzt man nun einen magischen Zweig, der schnell alles sprießen lässt, was an diesem Ort angebaut werden kann. Außerdem können manche Monster einige Aufgaben übernehmen, was euch natürlich etwas Arbeit ersparrt, aber euch gleichzeitig auch mehr Zeit bringt, um nach Inseln, Schätzen und weiteren Monstern zu suchen.

Make peace, not war!

Die Kämpfe in Rune Factory Oceans finden in Echtzeit statt. Bei eurem Waffenequipment habt ihr Auswahl zwischen Schwertern, Äxte, Hämmern und Zauberstäben, die alle unterschiedliche Eigenschaften aufweisen und unterschiedlich stark gegen unterschiedliche Monster sind. Außerdem könnt ihr verschiedene Moves erlenen, mit denen ihr mehr Schaden verursacht. Leider ist das alles jedoch nur ein Bonus, denn wer möchte, kommt mit jeder Waffe und reinem Button-Mashing durchs Spiel. Allerdings gibt es noch eine innovative Alternative zu den Kämpfen: Mit Hilfe einer speziellen Bürste, die man zum vorsichtigen streicheln fremder Monster benutzt, kann man sich mit diesen anfreunden und sie zu Gefährten machen. Diese gezähmten Monster verrichten dann – abhängig vom Monstertyp – verschiedenste Aufgaben im Spiel: Einige dienen als Kampfgefährten, andere geben als Zuchttier verschiedene Rohstoffe, wie zum Beispiel Wolle oder Milch, und wiederum andere arbeiten auf dem Feld. Dabei ist eure Aufgabe, die Monster immer wieder zu motivieren, indem ihr sie streichelt und mit Keksen füttert, denn nur ein glückliches Monster ist ein produktives Monster!

Ein weiterer großer Aspekt ist die Seefahrt: Während ihr auf dem Weltmeer unterwegs seid, trefft ihr auf Piraten und Seemonster, die erledigt werden müssen. Inseln werden gefunden und vom Meeresgrund heraufgeholt, woraufhin ihr diese Insel von Monstern befreit, ihre Schätze plündert und sie dann zu Ackerland umwandelt, denn komischerweise – oder vielleicht eher „magischerweise“ – wächst auf eurer Heimatinsel gar nichts. Neben den Inseln gibt es auch alte Tempelanlagen auf dem Meer, die euch in der Geschichte immer ein Stück weiter bringen und neben besonders starken Gegnern auch Informationen über den Fluch bereit halten.

Der Teufel steckt im Detail

Man kann nicht sterben. Es ist einfach nicht möglich, dass euch das zeitliche segnet, was wiederum bedeutet, dass es auch kein Game Over gibt. Ob das einem gefällt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen, aber irgendwie passt das zu dem Spiel. Dafür muss man jedoch auf seine Ausdauer achten, die durch Aktionen verbraucht wird und durch Schlaf regeneriert werden muss. Zu wenig Schlaf sorgt für Krankheit und Schlappheit, was euch bei euren Abenteuern hindern wird. Auch gibt es keine Speicherpunkte, lediglich im eigenen Haus kann man seinen Spielstand sichern. Jedoch kann man sich jederzeit per Knopfdruck in seine eigenen vier Wände teleporiteren lassen.

Grafisch ist Rune Factory Oceans nicht auf dem höchsten Stand der Technik und man merkt sehr stark, dass das Spiel für die Wii konzipiert und dann lediglich für die PlayStation 3 etwas aufpoliert wurde. Natürlich gibt es putzige und liebevolle Menschen und Monster in bunten Farben, doch alles wirkt etwas detailarm und kantig. Dafür sind die im Animestil gehaltene Zwischensequenzen sehr gut gezeichnet und tragen sehr gut zur Geschichte bei. Auch die Move-Steuerung sei kurz erwähnt: Sie funktioniert sehr ordentlich und erneut merkt man, dass das Spiel eben für die Wii entstanden ist. Doch ist Move lediglich optional und absolut nicht notwendig um das komplette Spielgefühl zu erlangen.

Fazit

Was hat Rune Factory Oceans also zu bieten? Es kommt daher mit vielen Routineaufgaben, wenig Action, einem sehr gemäßigtem Spieltempo und einer sich sehr langsam entwickelnden Story. Im Vergleich zu seinem Vorgänger wurde das Kampfsystem verbressert und dafür der landwirtschaftliche Aspekt etwas zurückgeschraubt. Für einen Action-Titel reicht das alles nicht, doch wer auf Harvest Moon steht und sich auf das Spielprinzip einlassen kann, der wird definitiv Freude haben, denn Suchtpotential ist genug vorhanden.

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