[Review] Geheimakte 3

Geheimakte 3

Als 2006 das Point’n’Click-Adventure Geheimakte: Tunguska auf den heimischen Bildschirmen erschien, schlug es ein wie eine Bombe und konnte vor allem in Deutschland sehr viele Fans gewinnen. So war es nicht verwunderlich, dass ein Nachfolger gierig erwartet wurde. Dieser ließ auch nicht lange auf sich warten und schickte Nina und Max erneut auf große Abenteuerreise, konnte allerdings die hochgesteckten Erwartungen der Anhänger nicht gänzlich erfüllen. Nun erscheint der dritte und vermutlich letzte Teil rund um das Paar und das deutsche Entwicklerstudio Animation Arts hat noch einmal ordentlich Verstärkung aufgefahren, denn es wurden sowohl Drehbuchautoren als auch Regisseure engagiert. Ob Geheimakte 3 den hohen Ansprüchen genüge tut oder ob ein unwürdiges Ende gefunden wurde, verraten wir euch im folgenden Test.

Auf Vergangenheit, Gegenwart und eine vielleicht leuchtende Zukunft

Bevor wir uns erneut mit Nina und Max in das Abenteuer stürzen, befassen wir uns zunächst mit einer Gegebenheit, die sehr lange vor unserer Zeit statt fand: Im Jahr 48 vor Christus bekommen wir – ein Dieb und Spezialist für gefährliche Aufträge – die Aufgabe zugeteilt, uns in die Bibliothek von Alexandria zu schleichen und dort alle Schriftrollen zu verbrennen. Nachdem wir uns möglichst unauffällig an etlichen Wachen vorbei geschlichen haben, setzen wir auch schon alles in Brand, wobei dummerweise eine einzige Schriftrolle das Feuer „überlebt“. Und diese Schriftrolle soll tausende Jahre noch einmal von Bedeutung sein.

Zurück in der Gegenwart steht die Hochzeit von Nina und Max bevor, doch zunächst befinden wir uns in einem Alptraum Ninas, der ähnlich verläuft wie das zuvor durchspielte Abenteuer: Irgendwie geht alles schief und auf einmal steht die komplette Hochzeit in Flammen. Doch nachdem sie aus dieser Tragödie erwacht ist, beginnt erst der wahre Schrecken. Max wird direkt vor ihren Augen entführt, denn seine neueste Entdeckung ist mysteriösen Mächten ein Dorn im Auge. Natürlich macht sich Nina sofort auf die Suche nach ihrem Ehemann in spe und beginnt ihre Reise dabei mit Max’ letzten Ermittlungen, die sie zu Emre – einem Freund und Kollegen – und zu einer Ausgrabung in der Türkei bringen. Dort trifft sie auf die Überreste einer alten, aber technisch hochbegabten Kultur, dem legendären Volk vom Nabelberg, welches bereits vor über 10.000 Jahren verschwand. Kurz darauf werden Nina und Emre von einer Horde unbekannter, schwer bewaffneter Männer verfolgt und können gerade so fliehen. Sehr schnell wird eines klar: Der Schlüssel zu allen Rätseln liegt in der uralten Schriftrolle, in der Zahl Pi und vor allem in Ninas Träumen.

Traum oder Realität?

Die Träume Ninas bilden eine zentrale Rolle im Spiel, denn man wird immer in sie hineinversetzt und darf dort Rätsel lösen und Informationen sammeln. Dort trifft man auch auf vielerlei Gesichter, wie zum Beispiel die aus dem ersten Teil bekannten Wächter, aber auch berühmte Persönlichkeiten der Geschichte, wie Leonardo da Vinci. Natürlich sind die Rätsel das wichtigste am Adventure und natürlich sind sie auch diesmal anspruchsvoll und knackig gestaltet. Sollte es einmal zu leicht oder zu schwer erscheinen, hat man die Auswahl zwischen zwei Schwierigkeitsgraden, die – je nach Wahl – das Leben erleichtern oder erschweren. Dabei trifft man vor allem auf die klassischen Rätsel, bei denen es ums Kombinieren, Codeknacken oder Bodenplattenverschieben geht, wobei man natürlich immer wieder gerne um die Ecke denken soll. Dabei wird meistens logisch und rational vorgegangen, doch nicht jede Lösung springt direkt ins Auge. Ab und zu hilft eben nur das stupide Ausprobieren. Allerdings fügen sich die Rätsel nicht immer ins Geschehen ein, denn welchen Kampf Roboter gegen Roboter trägt man schon wirklich mit Schere-Stein-Papier aus? Oder wer würde eine wirklich wichtige Tür zu großen Geheimnissen mit einem einfachen Schieberätsel lösen?

Die Steuerung ist genretypisch ganz einfach mit Maus und ein paar Hotkeys abgedeckt, wodurch man sich schnell und intuitiv zurechtfindet, selbst, wenn man noch blutiger Anfänger ist. Allerdings gibt es auch ein paar wenige negative Aspekte zu beleuchten: Manchmal fehlen einfach die Animationen. Wenn zum Beispiel ein Gegenstand benutzt wird, dieser dann jedoch in der Animation nicht benutzt wird und alles irgendwie von Geisterhand passiert. Auch gibt es leider etwas zu oft Schwarzblenden, die lediglich Aktionen andeuten, wodurch ein paar Zwischensequenzen wegfallen, die sicherlich noch mehr zu der eh schon atmosphärischen Stimmung beigetragen hätten. Wie schon in den Vorgängern können und müssen auch diesmal gefundene Gegenstände miteinander kombiniert werden. Durch eine Hilfefunktion wird sogar angezeigt, welche sinnvoll miteinander verbunden werden dürfen. Allerdings wandert ab und zu ein Gegenstand ins Inventar, der im ganzen Spiel keinen Nutzen hat, was mitunter dazu führt, dass man sich fragt, ob man denn etwas ausgelassen hat. Das ist zwar nicht wirklich negativ, doch durchaus etwas irritierend.

Technik

Grafisch setzt Geheimakte 3 keine neuen Maßstäbe, obwohl es meistens einen guten Eindruck hinterlässt. Das größte Problem sind wohl die Animationen, die ab und zu etwas unrund wirken, sowie manche Flächen, die eher grobschlachtig als anmutig daher kommen. Doch das hat auf den Spielfluss keinerlei Auswirkung und wer darüber hinwegsehen kann, dem wird das auch kaum auffallen. Auffallend ist hingegen die Vertonung, die sich wirklich nicht verstecken muss: Professionelle Sprecher übernehmen die Rollen der Figuren und zaubern so in jedes Gespräch genug Pepp. Einzig und allein die Hintergrundmusik ist etwas spärlich genutzt, doch wird das mit den tollen Geräuschen mehr als nur wettgemacht. Ein Ohrenschmaus, der die dichte Story super unterstützt.

Fazit

Geheimakte 3 kommt mit einer unglaublich fesselnden Story daher und bringt sogar vier alternative Enden mit, wodurch für stetige Spannung und Lust am Weiterspielen gesorgt ist. Dazu kommt eine gute Synchronisation mit herausragenden Sprechern, stimmungsvolle Geräusche und dezente Hintergrundmusik, die für eine gute Atmosphäre sorgt. Leider ist die Handlung etwas zu linear und die Dialoge funktionieren meistens als Zwischensequenzen, wodurch man keine Einflussmöglichkeiten auf Gespräche hat. Letztendlich kann sich der dritte Teil der Reihe nicht mit Geheimakte: Tunguska messen, doch er kommt nahe ran und trotz der manchmal unverständlichen Rätsel und der teilweise grob wirkenden Grafik kann jeder Adventure-Freund getrost zugreifen, denn mit diesem Spiel bekommt er circa neun Stunden sehr guten Spaß und Spannung geboten.