Here’s to you, Mr. Kojima

HideoKojima

Als ich vor zwei Tagen erfahren habe, dass Hideo Kojima und Konami in Zukunft getrennte Wege gehen werden, überkam mich ein seltsames Gefühl. Mir war bewusst, dass dies wohl das Ende für Metal Gear bedeutet. Einerseits war ich ein wenig traurig, andererseits aber auch glücklich. Nach fast 30 Jahren Metal Gear verdient die Reihe ihren Ruhestand, zumal die letzte große Storylücke mit „The Phantom Pain“ geschlossen wird. Jetzt aufzuhören wäre in meinen Augen der bisher beste Zeitpunkt.

Gestern veröffentlichte Konami ein Statement, in welchem sie sagten, dass in Zukunft weiterhin Metal-Gear-Spiele produziert werden – ohne Kojima. In einem Wimpernschlag verwandelte sich die Zufriedenheit vom Vortag in eine Mischung aus Übelkeit und Wut.

Ich habe keine Angst davor, dass Metal Gear von nun an nicht mehr Kojimas Werk ist. Ich habe auch keine Angst davor, dass am Gameplay rumgepfuscht wird. Ich habe Angst davor, dass Konami das Franchise in den Ruin treiben wird: Der Name Metal Gear stand für mich immer für Qualität sondergleichen. Egal was passieren wird, egal welche Publisher ihre ehemals schillernsten Reihen zerstörten: Metal-Gear-Spiele, in erster Linie die Solid-Reihe, waren immer gut. Denke ich an Metal Gear Solid 1 bis 4 zurück, auch an Peace Walker, so denke ich an überdurchschnittliche, hervorragende Spiele. Ich habe Angst davor, dass dies in den nächsten Jahren nicht mehr so sein wird, Angst davor, dass Metal Gear zu liebloser Massenware avanciert.

In den letzten 15 Jahren durften wir Spieler miterleben, wie Electronic Arts, Ubisoft, Activision, und Co. ehemals wirklich gute oder generell funktionierende Reihen wie Call of Duty, Battlefield, Need for Speed oder Assassin’s Creed gnadenlos gegen die Wand fuhren (No pun intended, I’m looking at you, Need for Speed). Andere Publisher, wie Capcom, vernachlässigten gleich ganze Franchises, so zum Beispiel Mega Man, und brachten lieber die zehnte Super Street Fighter 4 Climax Ultimate Omega Arcade Battle Edition Alpha Redux heraus. Was Konami angeht: Ihr letztes Suikoden erschien 2012 für die PSP und das ausschließlich in Japan. Der letzte Ableger, den die westliche Welt spielen durfte, ist sechs Jahre alt. Pro Evolution Soccer stand seit so gut wie immer in Fifas Schatten, hauptsächlich, weil es PES an Lizenzen mangelte. Die Yu-GI-Oh!-Spiele waren nie mein Fall, größtenteils aber auch eher „meh“. Silent Hill wurde im Laufe der Jahre immer schlechter. Erst nachdem in Kooperation mit Kojima Silent Hills angekündigt wurde, gab es innerhalb der Spielerschaft wieder Hoffnung. Zone of the Enders wurde zwar von Käufern des Spiels geliebt, versank aber, wie Beyond Good and Evil oder XIII, schnell in der Versenkung. Auch hier hatte Kojima seine Finger mit im Spiel.

Die einzige Reihe, die Konami bis heute halbwegs weltweite Relevanz verschaffte, war Metal Gear. Ich habe die grauenhafte Vermutung, dass sie das Franchise jetzt ausbluten lassen werden, bis nichts mehr geht. Das hat dieses ehrwürdige Franchise nicht verdient. Sie ziehen ihr Programm bereits mit allen Mitteln durch. Auf allen sich noch in der Produktion befindlichen Metal-Gear-Spielen wurde der „A Hideo Kojima Game“-Schriftzug entfernt (zum Beispiel bei Metal Gear Solid: The Legacy Collection). Einzig auf Metal Gear Solid V: The Phantom Pain werden wir ihn noch sehen können. Vielleicht auch noch auf Silent Hills, ich weiß es nicht. Das hier ist kein „getrennte Wege gehen“ zweier alter Freunde, das hier ist eine eiskalte Trennung.

Sicherlich ist es leicht, „das wird dann halt nicht mehr gekauft“ zu sagen, doch ändert das nichts am Zustand. Die Spiele werden kommen. Sie werden da sein. Sie werden wohl auch das große Erbe mit Füßen treten. Das Gameplay kann besser als je zuvor werden: Kojima als „narrative mastermind“ wird fehlen. Wer kann schon sagen, ob Metal Gear heute so groß und beliebt wäre, hätte Kojima nicht seit je her dahinter gestanden. Als Liebhaber der Reihe kann ich die nächsten Teile nicht einfach ignorieren. Es tut weh.

Irgendwie ist es ironisch. The Phantom Pain wurde als das bisher düsterste und melancholischste Metal-Gear-Solid-Spiel vorgestellt. Merkwürdig, dass es alles auch so sein Ende nimmt.

Ich werde wohl keine bessere Gelegenheit als diese bekommen. Von daher:

Vielen Dank, Mr. Kojima, für 17 Jahre Metal Gear Solid und sogar 28 Jahre Metal Gear. Vielen Dank für eine unvergleichliche, unvergessliche Videospielreihe voller emotionaler Höhen und Tiefen. Ich nehme mir Ihr Versprechen, dass The Phantom Pain der bisher beste Teil der Serie werden soll, zu Herzen. Enttäuschen Sie mich nicht. Werden Sie sowieso nicht, das taten Sie nie.