[Review] Life is Strange: Episode 1 – Chrysalis

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Entwickler: Dontnod Entertainment
Publisher: Square Enix
Plattform: PC, PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox 360, Xbox One (Testplattform)
Release: 30. Januar 2015

Ein gigantischer Sturm vor der Küste und er zieht direkt aufs Land! Max kann sich nicht erinnern, wie sie dorthin gekommen ist, versucht allerdings, möglichst schnell Unterschlupf in einem Leuchtturm zu finden. Gerade als sie ihn betreten will, fliegt ein Boot durch die Luft, kracht gegen den Leuchtturm und zerstört ihn. Die daraufhin herunterstürzende Kuppel ist im Begriff, Max unter sich zu begraben. Doch glücklicherweise wacht sie in diesem Moment auf. Sie schreckt hoch und stellt verwirrt fest, dass sie sich im Klassenzimmer ihres Fotografiekurses befindet.

Es ist ein Feature, das wohl jeder gerne in sein Leben integriert hätte: Die Zeit ein paar Minuten zurückdrehen, um zu sehen, wie die Sache ausgegangen wäre, hätte man anders gehandelt oder eine andere Antwort gegeben. Max Caulfield, Foto-Nerd und Außenseiterin, entdeckt eines Tages, dass sie genau dazu in der Lage ist. Als sie nach dem Unterricht mitbekommt, wie eine Mitschülerin in der Mädchentoilette bedroht und erschossen wird, spult sie die Zeit zurück und kann den Mord noch rechtzeitig verhindern.

Das verwirrt sie natürlich erst mal, aber sie scheint sich dann doch ungewöhnlich schnell an diesen Umstand zu gewöhnen. Als Spieler nutzen wir diese Fähigkeit dann nicht nur, um Lehrer und andere Mitschüler mit scheinbar spontan richtigen Aussagen zu beeindrucken, sondern auch, um andere schlimme Situationen zu verhindern. Wichtig ist, dass Max ihre eigene Position oder gesammelte Items beibehält, wenn sie in der Zeit zurückreist. Unendlich weit kann sie aber nicht in der Zeit zurückreisen, da sie nach einer bestimmten Zeit anfängt Schaden zu nehmen.

Nathan, der Junge, der versucht hat, das Mädchen zu töten, ist ein hohes Tier an dieser Privatschule. Seine Eltern zahlen viel Schuldgeld und üben damit auch eine Menge Einfluss aus. Kein Wunder also, dass der Direktor der Schule uns nicht glaubt, wenn wir ihm von dem Vorfall in der Mädchentoilette berichten. Vorausgesetzt, man entscheidet sich überhaupt, ihm das zu erzählen. Da sich das Spiel hauptsächlich um Entscheidungen dreht, wird es natürlich uns überlassen, wie wir handeln. Gefällt uns das Ergebnis nicht, spulen wir einfach die Zeit zurück. Allerdings gibt es bestimmte Entscheidungen, die später größere Auswirkungen auf die Geschichte haben und nur bis wenige Minuten nach der Entscheidung noch geändert werden können. Verlässt man das entsprechende Gebiet, ist die Entscheidung endgültig und man darf gespannt darauf sein, mit welchen Konsequenzen man später leben muss.

Nur so viel: Nathan zu verpetzen, war vielleicht nicht die klügste Idee. Aber in diesem Moment war es intuitiv für mich die richtige Entscheidung. Oder würdet ihr nicht auch zum Schulleiter rennen, wenn ihr wüsstet, dass einer eurer Mitschüler eine Waffe bei sich trägt?

Zur Story möchte ich an dieser Stelle gar nicht mehr verraten, ihr sollt die Episode ja schließlich noch selbst erleben. Viel mehr möchte ich unbedingt auf den Detailreichtum eingehen. Es gibt kaum ein Objekt, mit dem wir nicht irgendwie interagieren können oder zu dem Max uns etwas erzählen kann. Zahlreiche Dialoge wollen gesprochen werden und wann immer sich die Gelegenheit bietet, überlegt man sich, ob man eventuell die Zeit zurückdrehen sollte, um anders zu antworten oder andere Fragen zu stellen. Gerade wenn einem dann auch noch angezeigt wird, dass diese Entscheidung Einfluss auf den späteren Verlauf nehmen wird, gerät man etwas unter Druck, kommt ins Grübeln und überlegt sich, was das wohl für Folgen haben könnte.

Max ist ein regelrechter Fotografie-Nerd und hat sich auch eigentlich nur an dieser Schule beworben, um von einem berühmten Fotograf unterrichtet zu werden. Sie trägt daher auch immer ihrer Polaroid-Kamera mit sich und wenn sich die Gelegenheit ergibt, können wir ein Foto schießen. In unserem Journal finden wir dann sowohl die Fotos als auch Tagebucheinträge, SMS und E-Mails. Wer sich näher für die Umstände interessiert, bevor Max an die Schule gekommen ist, kann etwas in ihrem Tagebuch schmökern. Das verleiht der Story und den Hintergründen noch mal etwas Tiefe.

Die anderen Jugendlichen, die sich so auf dem Campus herumtreiben, gehören zwar alle irgendwie einem typischen Klischee eines amerikanischen Schülers an, sind teilweise aber trotzdem sehr sympathisch und man beginnt, sich für ihre persönliche Geschichte zu interessieren.

Im Vorfeld war ich mir nicht sicher, ob „Life is Strange“ wohl ein Spiel für mich ist, da ich eigentlich kein Typ bin, der gerne Entscheidungen trifft. Es macht aber wirklich viel Spaß, verschiedene Szenarien durchzuspielen und mit jeder Spielminute wünsche ich mir mehr, auch diese Fähigkeit zu besitzen.

„Life is Strange“ besitzt zwar einen schön anzusehenden Grafikstil und die Umgebungen sehen wirklich bezaubernd aus. Was die Mimik der Charaktere angeht, hätte ich mir aber noch etwas Feinschliff gewünscht. Emotionen sind in den Gesichtern nur selten zu erkennen und teilweise schauen sich die Charaktere gar nicht richtig an, ja regelrecht aneinander vorbei. David Cage wäre das nicht passiert. Die Synchronisation, die zwar rein akustisch sehr gut ist, aber nicht wirklich synchron zu den Lippenbewegungen der Charaktere, lässt einen das alles dann aber doch recht gut verschmerzen. Da hört man gerne zu. Übrigens auch, wenn gerade nicht gesprochen wird, denn der Soundtrack ist unglaublich gut ausgewählt und extrem atmosphärisch.

Tja, was hat es nun auf sich mit dieser Zeitreise-Fähigkeit? Und stellt der Sturm eine größere Bedrohung dar, als zunächst vermutet? Das alles und viel mehr erfahren wir dann wohl in der zweiten Episode von „Life is Strange“.