Mark macht Meinung: Splatoon

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Bleib mir wesch mit die Tinte!

Als „Splatoon“ während des Nintendo Digital Event auf der E3 2014 enthüllt wurde, war ich ziemlich unbeeindruckt von der Farbkleckserei. Erinnerungen an den Wii-Titel „de Blob“ wurden wach, den ich aus Missgefallen am Spielprinzip nie angerührt hatte.

Zu schnell, zu simpel schien mir das Spielgeschehen. Ich fragte mich, was spaßig daran sein sollte, eine Arena mit Tinte zu beschmutzen oder andere Spieler damit zu eliminieren, hatte ich in „Super Mario Sunshine“ doch stundenlang damit verbracht, Oberflächen wieder blitzblank zu machen. Dass das Tintengemetzel gegen Ende der Präsentation gezeigt wurde, rieb zudem Salz in die Wunde, da ich auf andere Nintendo-Hochkaräter gesetzt hatte, von denen nichts zu sehen war. Das Letzte, was ich wollte, war eine neue IP, die scheinbar ohne Tiefgang daherkam.

Nun gab es nach der E3 2014 kein Nintendo-Spiel, das mich weniger interessierte als Splatoon. Obwohl die Begeisterung seitens Pressevertretern und Fans stetig zunahm und Nintendo alles tat, um das Spiel in den Fokus zu rücken, stieg meine Abneigung und mein Desinteresse dadurch sogar noch. Ich hegte einen Groll gegen das Spiel, dem meines Erachtens deutlich zu viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

Splatoonichtgut? Splatoonistgut?

Monate vergingen und es wurde ruhiger um das Spiel. Auf der November-Direct wurden schließlich erstmals Informationen zum Singleplayer-Modus verkündet, die mich aufhorchen ließen. Splatoon schien mir plötzlich nicht mehr nur ein schnöder, nur auf einen Mehrspieler-Modus abzielender Möchtegern-Shooter zu sein. Obwohl nur wenig gezeigt wurde, sprachen mich schrulliges Charakter-, abwechslungsreiches Leveldesign und die schräge Musik des Titels ganz unerwartet an. Mein Groll gegen das Spiel wurde scheinbar vom Charme des Spiels mit einem großen Klecks neonpinker Tinte aus meinem Kopf gestrichen.

Dann kam die Januar-Ausgabe der Nintendo Direct und uns wurden Inkopolis, die verschiedenen Ladenbesitzer und die damit einhergehenden Anpassungsmöglichkeiten präsentiert. Ich weiß noch, dass ich beim Anschauen den Kopf geschüttelt habe. Nicht aus Desinteresse, sondern weil Nintendo dem Titel scheinbar eine Seele eingehaucht hatte, von der ich nicht dachte, dass ich sie ausgerechnet im Wii-U-Newcomer „Splatoon“ vorfinden würde. Plötzlich überkam mich eine unbändige Vorfreude auf das Spiel, das ich Monate vorher noch verwünscht hatte – Einzelspieler-Kampagne, Online-Mehrspieler-Modus, eine begehbare Oberwelt und liebenswerte Charaktere – für mich sind es Zutaten für einen möglichen Hit, den nicht nur wir Spieler, sondern auch Nintendo der Wii U nur wünschen können.

Kunterbunt und durchgeknallt

Weitere Wochen vergingen und endlich kam die „Splatoon“-Direct, die von vielen – und nun auch von mir – erwünscht und erwartet wurde. Für mich war sie eine perfekte Vorführung aller Fakten, die ich durch ursprüngliches Desinteresse verpasst hatte und jener, die Nintendo zum ersten Mal kundtat, wie beispielsweise die Namen der Waffen, Ladenbesitzer und Orte in und um Inkopolis. Diese sind nur weiteres Öl im Feuer der Vorfreude auf den Titel. Statt eintöniger Einheitsübersetzungen vom Fließband setzt Nintendo auf eine charmante, vor Kalauern triefende Lokalisierung, die zumindest mich nicht im geringsten an der Qualität des Spiels zweifeln lässt; nein, sie trägt sogar noch entschieden dazu bei: Wie heißt die pummlige Katze, die am Ende einer Partie das Ergebnis verkündet? Miezrichter natürlich. Jean-Qualle führt das Bekleidungsgeschäft Emporium Quallani (in der Nähe vom Waffengeschäft Kalmarsenal im Bouillabasar). Die Waffen im Spiel haben klangvolle Namen wie Kleckser, Airbrush MG, E-liter 3K, Quasto oder Tintferno. Außerdem haben viele Figuren sprachliche Eigenarten, die sicherlich auch in der deutschen Version für den ein oder anderen Schmunzler sorgen werden.

Probieren geht über Lamentieren

Als in der Direct von der speziellen „Global Testfire-Demo“ die Rede war, erwartete ich nicht viel, doch als man sie zwei Tage später spielen konnte und ich im Tutorial einen Ballon mit Tinte aus meinem Junior-Kleckser zum Platzen brachte, löste sich auch bei mir der letzte Zweifel in Luft auf. Es macht derart viel Spaß, seine Umgebung mit Tinte vollzukleckern und als Tintenfisch darin herumzuschwimmen, dass ich das Level ziemlich sprachlos absolvierte. Ich kleckerte mich durch alle drei einstündigen Online-Testläufe, in denen ich mich nicht nur an verschiedenen Waffen, sondern auch an unterschiedlichen Taktiken versuchte – auf diese kommt es nämlich an. Will man Feinde daran hindern, Farbe in der Arena zu verteilen oder macht man es sich zur Aufgabe, ebendies selbst zu tun? Begibt man sich in die Mitte des Geschehens, um eingefärbten Boden zu verteidigen oder schleicht man sich in weniger frequentierte Ecken der Arena, um dort Tinte zu verteilen? Schnell habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich zu viel Zeit mit der Verfolgung und Eliminierung von Feinden verschwendete statt den Arenaboden einzufärben. Doch auch wenn man nach einer dreiminütigen Partie mit seinen Kameraden als Verlierer dasteht, kann man Genugtuung empfinden, eine gewisse Anzahl an Feinden auf spektakuläre Art und Weise geplättet zu haben.

Als am Ende der Demo die Server zum dritten und letzten Mal abgeschaltet wurden, machte sich sofort eine Sehnsucht und Leere im frisch verliebten Splatoon-Fanherz breit, die bis zum Release am 29. Mai sicher noch für aufkommenden Liebeskummer sorgen werden. Nach monatelangem Zocken von erstklassigen, doch eher kurzweiligen Titeln wie „Mario Kart 8“, „Super Smash Bros.“ und „Captain Toad: Treasure Tracker“ erscheint „Splatoon“ wie ein Leuchtturm im Ozean der Wii-U-Spiele, auf den man unbedingt zusteuern sollte.

Unvergleichliches Gameplay, das sowohl Taktik, Geschick, als auch eine Prise Glück voraussetzt, knallbunte Optik mit originellem, eingängigem Sound und Level- und Charakterdesign vom Allerfeinsten scheinen „Splatoon“ zu einem echten Hit werden zu lassen. Denn obwohl im Spiel selbst primär viel gekleckert wird, hat Nintendo bei der Entwicklung anscheinend mal wieder richtig geklotzt. Ende Mai, wo bleibst du nur?

In Teil 2 lest ihr Marks Meinung zur amiibo-Collection und den Update-Inhalten.