[Review] Boxboy!

Quadratisch. Praktisch. Charmant.

bb

Entwickler: HAL Laboratory
Publisher: Nintendo
Plattform: Nintendo 3DS
Release: 2. April 2015
Das Spiel wurde uns vom Publisher zur Verfügung gestellt

Wenn ich nicht gerade an meiner PlayStation 2 hänge und meine Zeit mit Spielen verbringe, die schon bei Veröffentlichung keiner kannte, wobei ich meinen imaginären Sojamilch-Kaffee schlürfe, meinen imaginären Schal im Minutentakt über die Schulter werfe und meinen Jutebeutel streichle, habe ich ein Faible für die außergewöhnlicheren Titel dieser Welt. In der Nacht vom ersten auf den zweiten April  wartete ich – wie immer eigentlich – sehnsüchtig auf Chrono Trigger für den 3DS-eShop, da eine neue Nintendo Direct ins Haus stand. Mein Blick trübte sich mit jeder voranschreitenden Minute, kein Chrono Trigger in Sicht. Nun gut.

Auf einmal war da ein anderes Spiel, von dem ich vorher noch nie etwas hörte. Komplett in schwarz-weiß gehalten, untermalt mit ebenso minimalistischer Musik: Ein kleines Puzzle-Spiel namens Boxboy! Die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten. Releasedatum: 2. April. Nur um sicherzugehen, warf ich einen flüchtigen Blick auf meine Radiouhr. Meine Tasse füllte sich just in diesem Moment mit neuem Sojamilch-Kaffee-Gemisch, mein Jutebeutel warf mir eine in Südargentinien handgedrehte Kippe in den Mund und meine Brillengläser sprangen*. (*Ereignisse können abweichen)

Boxboy! runtergeladen, gestartet, A gedrückt und huch. Man befindet sich direkt in der Oberwelt. Sehr nett. Wie schon im Trailer zu sehen war, müssen wir mit dem kleinen Qbby Rätsel lösen und ihn zum Ausgang das Levels manövrieren. Dabei steht uns seine Fähigkeit Blöcke zu produzieren zur Verfügung. Diese kann man beispielsweise nutzen, um Plattformen zu erstellen, Schalter zu betätigen oder Schutzschilde zu schaffen. Wie viele Blöcke man gleichzeitig erscheinen lassen kann, ist fest vorgegeben und von Level zu Level unterschiedlich. Auch an die Sammler wurde gedacht. In jeder Stage befinden sich eine oder zwei Kronen. Will man die Schmuckstücke bekommen, so darf man nur eine bestimme Zahl an Blöcken benutzen. Wird diese überschritten, verschwinden sie. Doch wofür der zusätzliche Aufwand? Mehr Credits am Ende des Levels, die unter anderem für Outfits, Musikstücke oder Bonusherausforderungen ausgegeben werden können.

Auf trockene Tutorials wird in Boxboy! verzichtet. Insofern neue Mechaniken etabliert werden, ploppt über Qbbys Kopf im ersten Level einer Welt eine kleine Gedankenblase auf, die anzeigt, wie man Hindernisse überwinden kann. Das ist nicht nur überaus angenehm, sondern auch deutlich weniger aufgesetzt als beispielsweise der obligatorische Trainingsparcours in Shootern. Um das zu verdeutlichen: Eine Welt in Boxboy! besteht aus sieben Leveln. Der erste dient der Einführung, der zweite und dritte zum Lernen, vier bis sieben zum Anwenden in progressiv schwerer werdenden Situationen. So wird garantiert, dass die einzelnen Techniken dem Spieler in Fleisch und Blut übergehen und diese auch in späteren Abschnitten, in welchen die Kombination mehrerer Praktiken Pflicht wird, sitzen.

Früh im Spiel fällt auf, dass HAL Laboratory das Rätsellösen wichtiger als der Levelfortschritt war. Vor jedem Rätsel, beziehungsweise jeder Gefahrenquelle, wird ein Checkpoint gesetzt. Solltet ihr sterben, werdet ihr direkt vor der zu schaffenden Aufgabe gespawnt. Habt ihr auf dem Weg zur Krone zu viele Blöcke verbraucht, so könnt ihr resetten und gelangt zum letzten Checkpoint. Diese Entscheidung ist, meiner Meinung nach, die einzig sinnvolle. Der Levelfortschritt generiert sich automatisch aus dem Lösen der Puzzle. Den Spieler zusätzliche Wege laufen zu lassen, wäre schlicht lästig und unnötig. Des Weiteren bringt das den Vorteil mit sich, nicht aus dem Spielfluss gerissen zu werden. Ihr könnt ohne Umschweife direkt weitermachen. Sicherlich ist es argumentierbar, ob dieser Fakt das Spiel zu leicht macht. Aber ihr würdet bei Memory auch nicht komplett von vorne anfangen, wenn ihr zwei unterschiedliche Kärtchen umdreht, oder?

Kommt man an einer Stelle nicht weiter, ist das kein Problem. Mit den Münzen, die beim 3DS automatisch gesammelt werden, wenn man mit zugeklappten Gerät herumläuft, könnt ihr pro Rätsel einen Hinweis kaufen, der euch zeigt, welche Blockformation zur Lösung benötigt wird. Aus reinem Interesse habe ich mir ein paar der Hinweise gekauft, insofern ich das Gefühl hatte, ein Rätsel auf eine unkonventionelle, so nicht vorgesehene Weise gelöst zu haben. Durch diese – ebenso unkonventionelle – Überprüfung stellte ich fest, dass einige Situationen wirklich auf mehrere Weisen gemeistert werden können, was in so ziemlich jedem Videospiel etwas Positives ist. Es Erzeugt ein gewissen Gefühl von Freiheit.

Auch, wenn es so gut wie gar nichts zur spielerischen Qualität von Boxboy! beiträgt: Qbby beginnt Cancan zu tanzen oder ein Nickerchen zu halten, wenn ihr ihn kurz stehen lasst. Ich kann mir nicht helfen, ich liebe solche dezenten Features.

Selbstverständlich ist nicht alles eitel Sonnenschein und Zuckerwatte in der quadratischen Welt. Mit Qbby zu springen, ist teils schwammig. Mir ist klar, dass die Absicht dahinter war, zu verhindern, dass einfach über Hindernisse gesprungen werden kann, die nicht einfach so übersprungen werden sollten. Es geht auch gar nicht um seine Sprunghöhe, die ist optimal. Will man aus dem Lauf heraus springen, läuft Qbby manchmal einfach weiter. Keine Ahnung, ob das am Spiel oder meiner eigenen Unfähigkeit liegt; dennoch ist es relativ oft passiert – auch wenn ich pünktlich die Sprungtaste drückte.

Ebenfalls ist die Konsistenz der Progressivität des Schwierigkeitsgrades in meinen Augen nicht immer ausreichend gegeben. Vor allem im späteren Spielverlauf kam es mir so vor, als ob die ersten Level einer Welt schwieriger als die letzten waren. Nichtsdestotrotz ist der Gesamtverlauf der Lernkurve recht angenehm. Boxboy! beginnt leicht und verlangt gegen Ende alles Erlernte ab.

Ich würde nicht so weit gehen und Boxboy! als Pflichttitel bezeichnen. Dafür ist das Puzzlegenre schlicht und ergreifend zu speziell und für die meisten nicht zugänglich genug – sei es aufgrund des minimalen Gameplays oder des höheren Anspruchs im Vergleich zu Actiontiteln, Rennspielen oder modernen Shootern. Wer etwas für Puzzler übrig hat, ist mit Boxboy! jedoch bestens bedient und bekommt für den schmalen Preis eine große Menge Content, die lange motiviert – dank Zusatzaufgaben auch nach dem Durchspielen.

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