[Review] Massive Chalice

massive-chalice

Entwickler: Double Fine Productions
Publisher: Double Fine Productions
Plattform: PC (Testplattform), Xbox One
Release: 1. Juni 2015

Es herrscht Trauer im Königreich. Colin, der Thronfolger aus dem Hause Vaughn, ist mit gerade einmal siebzehn Jahren heldenhaft in der Schlacht gegen die Kadenz gefallen. Doch das Haus Vaughn bleibt nicht von Schicksalsschlägen verschont, denn nur kurze Zeit später stirbt der amtierende Burgherr und das Land steht ohne Regenten da! Jetzt liegt es an mir zu entscheiden, ob ich Colins sechsjährige Schwester auf den Thron setze oder seine kampferfahrene große Schwester Rose, die heldenhaft das Land gegen die Kadenz verteidigt, aber dann nicht mehr der Truppe zur Verfügung steht.

Das ist nur eine von vielen verzwickten Situationen, die es für den Spieler in Massive Chalice zu meistern gilt. Alles beginnt damit, dass wir aus einem schwarzen Bildschirm heraus erwachen und von einem mit zwei Stimmen sprechenden Kelch darauf hingewiesen werden, dass wir nun der neue Herrscher seien und das Schicksal der Welt in unserer Hand liege. Die Welt, in der wir regieren sollen, wird von einer ominösen Macht namens „Kadenz“ bedroht und es dauert genau 300 Jahre, bis der sprechende Kelch seine magischen Fähigkeiten soweit aufgeladen hat, um diese Macht zu besiegen. Bis dahin sind wir als unsterblicher Herrscher dazu aufgefordert, Helden mit deren Dynastien zu züchten und zu verwalten, Gebäude zu errichten, Forschung zu betreiben und natürlich die widerwärtige Kadenz in taktischen Rundenkämpfen aus unserer Welt fernzuhalten. Massive Chalice ist ein absolut fesselnder Mix aus ebendiesen taktischen Kämpfen, Königreich-Verwaltungs-Simulation und zufällig generierten Ereignissen, die den Spieler nicht selten zu weiteren kniffligen Entscheidungen auffordern.

Genau diese Mischung ist es, die einen mitfiebern aber auch manches Mal verzweifeln lässt. Die taktischen Kämpfe beruhen auf einem fünf Mann (bzw. Frau) starken Team, wobei es zu Beginn drei Klassen gibt und jeder zwei Aktionspunkte zur Verfügung hat. Die Gegnertypen fallen dabei ganz unterschiedlich aus und bieten so manche fiese Fähigkeit, die taktisches Planen und kluges Vorgehen unentbehrlich machen. Der Einstieg ist einfach, das System aber zu meistern erfordert Übung und so manchen toten Helden. Die Kämpfe erfolgen zwar nur alle paar Jahre, wenn die Kadenz vor der Tür steht und erneut versucht sich einen Teil des Reiches einzuverleiben, aber mit der Zeit leiert sich das System doch etwas aus.

Massive Chalice

Das System mit Helden und Dynastien scheint auf den ersten Blick nicht sehr fordernd, aber es gibt so vieles zu bedenken und zu planen, dass schon die kleinste Fehlentscheidung beim Thronfolger zum Verlieren des gesamten Spiels führen kann. Als namenloser Herrscher liegt es in der Hand des Spielers, Regenten einzusetzen, sie zu vermählen und darauf zu hoffen, dass es reichlich Nachwuchs gibt. Dabei spielen Fähigkeiten, Fruchtbarkeit, Klasse und jede Menge Charakteristiken wie „dumm“ oder „bärenstark“ eine Rolle, die es kleinlichst zu berücksichtigen gilt, will man erfolgreich sein und 300 Jahre überdauern. Aber gerade diese Herausforderung macht das Dynastien-System so spannend und es dauert gar nicht lange, bis man zu seinen liebevoll per Hand gezüchteten Helden eine tiefe Verbindung aufgebaut hat, die dann auch schon mal jäh im Kampf oder durch zufällige Ereignisse ihr schmerzhaftes Ende finden kann.

Die Kämpfe sind teils etwas ermüdend und je nach Schwierigkeitsgrad flimmert das Ende der Runde auch schon mal recht zeitig über den Bildschirm. Aber diese seltsam süchtig machende Mischung aus rundenbasierten Kämpfen und dem dynastischen Mikromanagement, bei dem eine Runde nie der anderen gleicht, fesselt den Spieler an den Bildschirm. Mal ganz zu schweigen von dem herrlichen Humor der zwiegespaltenen Kelch-Persönlichkeit und der tollen Atmosphäre, die das ganze Spiel zu erzeugen weiß. Ein großer Spaß für Fans von allem, was irgendwie mit Rundenstrategie und Mittelaltersimulation zu tun hat.