[Review] LEGO Marvel’s Avengers

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Entwickler: TT Games
Publisher: Warner Bros.
Plattform: PlayStation 4 (Testplattform), PlayStation 3, PlayStation Vita, Xbox One, Xbox 360, Wii U, Nintendo 3DS, PC
Release: 28. Januar 2016
Das Spiel wurde uns vom Publisher zur Verfügung gestellt.

Sind wir mal ehrlich: auch wenn es traurig ist, ein wirkliches Spiel für Fans der Marvel-Comics und deren schrägen Humor und ikonischen Charakteren, das gibt es nicht wirklich. Gut, dass es da ein Team von Marvel-freundlichen LEGO-Enthusiasten gibt, die uns nun schon den zweiten Klötzchen-Ausflug in das Marvel-Universum erschaffen haben und das mit einer Liebe zum Detail, von der sich manch andere Entwickler gerne ein paar dicke Scheiben abschneiden dürfen.

Dieser Test war lange in Arbeit und das liegt allein daran, weil mich das Spiel immer wieder mit noch mehr Möglichkeiten und Fähigkeiten überschüttet hat, gerade als ich dachte, ich hätte alles gesehen. Nun dürfte das Prinzip der LEGO-Spiele nicht nur schon aus dem direkten Vorgänger, sondern auch aus zahlreichen ähnlichen Spielen im Franchise bekannt sein. Keines aber wartet mit so einem gigantischen Umfang auf – und das in jederlei Hinsicht.

Fangen wir mal bei der Story des Spiels an. Diese ist nicht wirklich vorhanden, was bedeutet, dass sich diesbezüglich kein roter Faden hindurchzieht. Aber dafür bekommt man als Fan des Marvel-Universums gleich mehrere spielbare Level aus diversen großen Filmerfolgen, wie beispielsweise den beiden Avengers-Filmen oder den Ausflügen von Thor, Captain America und Iron Man auf die Leinwand. Man darf diese Szenen nicht nur nachspielen und quasi live miterleben, man bekommt auch die originale Vertonung zu hören, was das Kinofeeling noch einmal intensiver macht. Zwischendurch landet man immer wieder in sogenannten HUB-Welten, zu denen ich mich weiter unten noch äußern werde, und die frei begehbar sind. Der Umfang der eigentlichen Story ist damit relativ gering, zumal man beim ersten Durchspielen noch lange nicht alle Charaktere freigeschaltet hat. Hier kommt aber der Anreiz zum erneuten Durchspielen im freien Spiel dazu. Während man in den offenen Welten und den Leveln unterwegs ist, kann man immer neue Charaktere freischalten, die dann wiederum neue Bereiche in den Leveln öffnen, was wiederum Steine, neue Charaktere und noch einiges mehr bringt. Es lohnt sich also allemal, die Level nach dem ersten Durchspielen ein weiteres Mal anzugehen. Dabei dürfte es dann allerdings nicht unbedingt bleiben, denn die Spirale aus neuen Charakteren, neuen Fähigkeiten und der damit angetriebenen Sammelwut hält einen gut bei der Stange.

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Möchte man zwischen den einzelnen Leveln verschnaufen, kann man sich in schier gigantischen HUB-Welten austoben. Dabei spendieren die Entwickler nicht nur ein sehr großes, sehr gut mit Aufgaben, Rätseln und Geheimnissen gefülltes New York, nein, man kann sich beispielsweise auch auf dem Helicarrier der Avengers frei bewegen und schaltet im Laufe des Spiels noch weitere offene Welten frei. Ich will nicht sagen, welche das sind, aber ich kann verraten, dass man als Marvel-Fan hier voll und ganz auf seine Kosten kommt. Nehmen wir mal New York als Beispiel. Nachdem man sich majestätisch vom Helicarrier hinunter in die Straßen geschwungen hat, kann man jederzeit beliebige Charaktere auswählen, mit denen man gerne unterwegs sein möchte. Hinzu kommen noch jede Menge Fahrzeuge und fliegende Fortbewegungsmittel, mit denen man dann die offene Welt nach Herzenslust erkunden kann. Neben zufällig auftretenden Ereignissen, wie beispielsweise einem Taschendiebstahl, den es zu verhindern gilt, beschäftigt man sich vor allem mit Rennen, dem Suchen nach goldenen Steinen und Missionen, die man von diversen Marvel-Charakteren erhält. Oft schaltet man diese nach erfolgreichem Abschluss frei und kann sie dann in den Leveln oder eben zum Erkunden und Spaß haben einsetzen.

Die HUBs und Level sind lebendig und voller Details, natürlich gespickt mit dem guten alten Humor der LEGO-Spiele. An jeder Ecke kann man irgendwo eine lustige Konversation oder Begebenheit aufschnappen, jedes Level erzählt seine Geschichte mit lustigen Kleinigkeiten und nimmt sich nicht immer ganz ernst, allerdings ohne dabei lächerlich zu werden. Überhaupt merkt man dem gesamten Spiel an, dass hier wahrscheinlich ebenfalls Fans der Marvel-Comics am Werk waren. NPCs lassen regelmäßig Anspielungen und Kommentare fallen, die Charaktere reagieren untereinander und wenn man sich dann in jedem Level auf die Suche nach einem versteckten Stan Lee in Not begibt, weiß man, dass man als Fan hier sehr gut aufgehoben ist.

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Die Liebe zum Detail und zu Marvel äußert sich vor allem aber in dem letzten wichtigen Punkt, den ich ansprechen möchte, nämlich dem gigantischen Umfang an spielbaren Charakteren. Natürlich sind so große Namen wie Captain America, Thor und Ironman mit von der Partie, aber hier war das Motto wohl Klotzen statt Kleckern”. Ironman kommt beispielsweise nicht nur in Zivil als Tony Stark in mehreren Ausführungen, sondern auch mit seinen sämtlichen Anzügen! S.H.I.E.L.D. Direktor Fury ist genauso vertreten wie sein bester Agent Phil Coulson oder der blinde Daredevil. Neben bekannten Film-, Serien- und Comic-Helden, bietet das Spiel aber auch eine schier unerschöpfliche Zahl an weniger bekannten Marvel-Helden, die aber natürlich trotzdem zum Universum hinzugehören. Und als wäre das nicht genug, kommt so ziemlich jede Figur mit eigenen Fähigkeiten daher, die einem dann in den HUB-Welten oder im freien Spiel zur Verfügung stehen. Und nicht zu vergessen, einige Charaktere bringen auch ihre speziellen Fahr- und Flugzeuge mit, wie beispielsweise das rote Cabrio “Lola” von Agent Coulson. Mit diesen Fortbewegungsmitteln kann man dann durch die offenen Welten düsen, waagerecht wie senkrecht, denn jeder Charakter hat eine Fähigkeit, die ihm zum Klettern, Fliegen oder Springen befähigt.

Der Umfang ist der Wahnsinn und man verfällt sehr sehr schnell in eine ausgeprägte Sammelwut. Dafür wird man dann nicht nur damit belohnt, dass man sie alle freigespielt hat, sondern das Spiel setzt noch einmal einen drauf und lässt den Spieler seinen ganz eigenen Helden aus den ganzen freigeschalteten Einzelteilen erschaffen. So kann ich zum Beispiel den Oberkörper von Hawkeye mit den Beinen von Ironman, der Frisur von Hulk und dem Hammer von Thor vereinen und mich dann mit meiner ganz eigenen Superhelden-Kreation durch die Level schwingen. Es steckt in diesem Spiel nicht nur jede Menge Liebe zum Detail, sondern vor allem sehr viel Liebe zu Marvel und deshalb lässt ein erhöhter Pulsschlag nicht lange auf sich warten, wenn man Fan ist.

Ich lehne mich dabei nicht aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die Entwickler mit LEGO Marvel’s Avengers das bisher umfangreichste, lustigste und beste Spiel im LEGO-Franchise geschaffen haben. Ganz nebenbei haben sie außerdem die Sehnsüchte eines jeden Marvel-Fans erfüllt und so bleibt mir nur noch eines zu sagen: Excelsior!