Mario Kart 8 Deluxe

Entwickler: Nintendo
Publisher: Nintendo
Plattform: Nintendo Switch
Release: 28. April 2017
Das Spiel wurde uns vom Publisher zur Verfügung gestellt.

Artikel schreibe ich für gewöhnlich, weil es mir Spaß macht. Dieser Text hier macht mir zu schreiben keinen Spaß.
…Moment, falscher Film! Das war meine Pokémon-Eröffnung! Entschuldigt bitte.
Also nochmal von vorn.

Artikel schreibe ich für gewöhnlich, weil es mir Spaß macht. Dieser Text hier macht mir zu schreiben zwar DURCHAUS Spaß (jetzt stimmt’s!), aber leicht ist es nicht.

Die Mario-Kart-Reihe wird im August stolze 25 Jahre alt. Bevor wir ein verdientes “Happy Birthday” für diesen wahrscheinlich wichtigsten Konsolen-Fun-Racer der Geschichte anstimmen, einen Strauß Feuerblumen überreichen und gemeinsam eine Goldpilzsuppe essen, landet er in seiner jüngsten Ausprägung aber noch einmal auf dem Rezensententisch.

Spiel Numero 8, seit 2014 einer der Systemseller der Wii U, soll nun auch der neuesten Nintendo-Schöpfung Switch als Kaufargument dienen – für Erstkunden ebenso wie für jene, die auf dem Vorgängergerät bereits in den Genuss des fantastischen Rennspiels gekommen sind. Denn die Switch-Neuauflage von Mario Kart 8 ist keine reine Portierung: sie bringt neben allen DLC-Inhalten der Wii-U-Variante auch einen ganzen Schwung technischer und spielerischer Neuerungen mit und verleiht sich selbst daher folgerichtig das Prädikat “Deluxe”.

Blabla 1080p und 60 FPS, blabla Inklinge als Fahrer, blabla neue Items, blabla erweiterter Schlachtmodus. Seht ihr, da haben wir den Salat: was und vor allem wie schreibt man im Jahr 2017 über Mario Kart, noch dazu über den verbesserten Re-Release eines bereits drei Jahre alten Teils? Sämtliche Informationen über die Neuerungen kennt ihr entweder bereits oder schafft sich euch innerhalb von anderthalb Minuten auf der Nintendo-Produktseite drauf.





Dass in Mario Kart 8 Deluxe neben den bereits erwähnten Tintenfischteenies aus Splatoon neuerdings auch Schildkrötenkadaver Knochentrocken, Riesensprechblase König Buu Huu und Koopakönigssohn Bowser jr. auf’s Gaspedal treten… dass 48 Strecken zur Auswahl stehen, die größte bisherige Auswahl in der Geschichte der Reihe… dass der diebische Geist und eine Sprungfeder (im wahrsten Sinne des Wortes) nun zu den Items gehören… dass die Schlachten in fünf verschiedenen Modi auf acht verschiedenen Maps ausgetragen werden können… und, dass 60 Bilder pro Sekunde so weich sind wie ein bestimmtes meist gelbfarbenes Lebensmittel, das unter anderem als Brotaufstrich, aber auch immer wieder gern als Metapher für die Weichheit von 60 Bildern pro Sekunde verwendet wird… Um all das zu erfahren, dafür braucht ihr mich nicht. Eine rein informative Review hat also keinen Wert.

Dann gehe ich vielleicht direkt zum Urteil über. Aber was für eins? Die positiven Punkte sind doch fast alle bekannt. Dann zähle ich lieber nur die Schwächen auf. Der in Mario Kart 8 Deluxe um eine dritte Stufe erweiterte Boost, der bei längerem Driften einen deutlich längeren Schub ermöglicht, fügt sich zwar hervorragend ins Gameplay ein, für die doppelt tragbaren Items gilt das aber leider nur bedingt. Im guten alten Double Dash!!, wo insgesamt acht Fahrer am Grand Prix teilnahmen, mag das noch funktioniert haben. Bei den seit dem Wii-Teil mitrasenden zwölf Piloten jedoch nehmen Abschuss-Frust, Verteilungsungerechtigkeit und Münzüberfluss schnell überhand. Den sich anbietenden Kapitalismus-Witz spare ich mir an dieser Stelle.

Auch das kinderfreundliche neue Feature, namentlich die SCHLAU-Steuerung, die, ähnlich wie beim Bowling, eine (unsichtbare) Bande um die Strecke herum ausfährt und jüngeren Spielern die Aufklärung über das Gesetz der Schwerkraft ersparen möchte, braucht es nicht wirklich. Nicht nur ist Mario Kart gottlob ohnehin nicht mehr die beinharte Battle Royal, die es zu SNES-, N64- und auch noch zu GC-Zeiten einmal war. Zusätzlich ergibt sich aus der SCHLAU-Steuerung in Verbindung mit der Autobeschleunigungsfunktion die skurrile Möglichkeit, das Rennen komplett automatisch ablaufen zu lassen – dass ich sowas nicht sehr schätze, dürfte den Lesern meiner letzten paar Texte bekannt sein. Für erfahrenere Spieler ist ein Fahrzeug mit eigenem Willen wiederum sowieso nur hinderlich, Veteranen sollten den SCHLAU-Steuerungsmodus also tunlichst ausschalten.

Daneben sickert noch ein dritter Tropfen Essig in den Wein, aber einer, der uns alle nicht mehr überraschen kann: der Online-Modus ist, um einmal professionell meine Contenance zu verlieren, verkackt. Ein zeitgemäßes Lobby-System gibt es immer noch nicht, und der Satz “Fehler bei der Datenübertragung” ist hier wesentlich präsenter als ein “Let’s-a go!” oder “Wa-huuu!”. Gerade in einem so kompetitiven Spiel, wo es darum geht, sich einen Ruf zu erarbeiten und ihn bis zur letzten Banane zu verteidigen, gerade da ist das ein Unding. Der Gedanke, für diesen Service ab Herbst monatlich bezahlen zu sollen, ist da schon fast nur noch ein müdes Lächeln wert.

Das wären also die Probleme des Spiels. Aber haben sich die nicht inzwischen auch schon in sämtlichen sozialen Netzwerken herumgesprochen? Und als Review ist das viel zu unausgewogen, das kann ich auf keinen Fall so veröffentlichen. Dann schwärme ich eben doch noch ein bisschen.

Zum Schwärmen gibt es reichlich Anlass, und doch ist das meiste schwer benennbar: dass sämtliche Rennmechaniken auf den Punkt geschliffen sind, bedarf wohl keiner Erwähnung mehr. Was dieses Spiel darüber hinaus zu etwas Besonderem macht, ist das Drumherum. Die Mischung aus absolut zeitgemäßer Grafik und Treue zum einzigartigen Artstyle des Mario-Universums macht aus dem jetzt noch höher aufgelösten und noch sauberer laufenden Spiel einen visuellen Genuss, wie ihn sich so mancher fotorealistische Hardware-Fresser unserer Tage nur wünschen kann. In Sachen Liebe zum Detail, in Sachen starke Farben, liebreizende Animationen, aufwendig designte Kurse, kann es niemand mit Nintendo aufnehmen. Mario Kart war, ist und bleibt ein Fest für die Sinne. Nicht zuletzt auch dank der immer noch großartigen Musik der Mario-Kart-Band, die vor allem auf den entsprechenden Musikstrecken zur Geltung kommt.

Fällt was auf? Der letzte Abschnitt hätte (bis auf die Mario-Kart-Band) genau so gut aus einer Kritik von vor drei, neun, 14 oder sogar 20 Jahren stammen können. Es hat wohl keinen Zweck. Ich ergebe mich. Dieses Spiel, diese Reihe – sie sind mir überlegen. Vielleicht kann man ihr nur noch mit Liebesgedichten beikommen.

Oh! Mario Kart
Wir suchten dich so hart
Dass wir schielen.

Oh! Mario Kart
Es wäre Verrat
Dich nicht zu spielen.

Auweia. Jetzt befinde ich mich aber auf direktem Weg in die Niederungen des Enddarmjournalismus.

Über das Mario-Kart-Franchise ist alles gesagt. Die Fehler, ohne die keiner seiner Ableger auskommt, sollte man nicht verschweigen, doch angesichts dessen, was diese Reihe für eine Bedeutung hat, ist der Superlativ das einzige Mittel der Wahl. Der beste, der größte, der schönste Fun-Racer, den es für irgendeine Konsole zu kaufen gibt. Auf so ungewöhnlich simple, fast altertümliche Weise, ohne 100+ Stunden epischer Storykampagnen, ohne Skilltrees, ohne Next-Next-Next-Gen-Optik, an der sich alles Lob festhalten könnte, auf diese Weise solch pures und langanhaltendes Vergnügen zu produzieren, ist Nintendos einsame Spitzenleistung.

Mit Mario Kart 8 stehen sie nun kurz vor der Vollendung der Marke, und sollte ein etwaiges Mario Kart 9 den Item-Fokus seiner Vorgänger etwas reduzieren und mit einem funktionierenden Online-Multiplayer daherkommen, werde ich am berühmten Sankt-Nimmerleins-Tag definitiv beschäftigt sein.

Mit Spielen, wohlgemerkt, nicht mit Schreiben. Denn Ersteres bringt bei Mario Kart deutlich mehr als Letzteres. Glaubt mir, DAS weiß ich jetzt.

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