Da geht noch was: Unsere Wunsch-Ports für die Nintendo Switch

Es fühlt sich an, als wär’s gestern gewesen. Und doch ist es bald schon ein ganzes Jahr her, seit die Nintendo Switch in den Haushalten, aber auch in den Zügen, Cafés, Wartezimmern und Hörsälen der Welt Einzug gehalten hat. (Ja, auch in Hörsälen. Ihr wisst, wer ihr seid!) Seither hat das handliche Tablet, das doch zahlreichen Experten zufolge aus allerlei niedlichen Gründen zum Scheitern verurteilt war, die Welt im Sturm erobert und marschiert geradewegs in ungeahnte Wii-Sphären – ein Triumphzug, der seinem Vorgänger nicht beschieden war.

Wen immer man fragt, wieso denn die Wii U nicht an den Erfolg der Wii hat anknüpfen können, man erhält stets andere Antworten. Vorrangig ist die Ursache dafür freilich in der Spielebibliothek der Konsole zu suchen, die nicht nur zu schmal, sondern auch qualitativ allzu durchwachsen war und einige der schwächsten Ableger altgedienter Nintendo-Reihen beinhaltete. Man denke nur an Paper Mario, Mario Tennis oder Mario Party.

Dass aber selbst die Wii U nicht ohne ihre Highlights war, ist auch kein Geheimnis. Nichtmal für ihre Schöpfer, die ja bekannt sind für ihre einzigartig ausgeprägte Fähigkeit, manchmal einfach ‘n Fick drauf zu geben. Und so sind nun bereits mehrere Spiele aus dem Sortiment des Vorgängers auf der Nintendo Switch gelandet beziehungsweise zur Landung angekündigt, erstaunlicherweise (fast) nur das gute Zeug. Bayonetta 2, Mario Kart 8, Donkey Kong Country: Tropical Freeze, Hyrule Warriors… naja, und Pokémon Tekken, der Vollständigkeit halber.

Man könnte das Gefühl haben, dass alle wesentlichen Wii-U-Spiele, deren Plätze nicht bereits durch neue, bessere Titel auf der Nintendo Switch besetzt sind, damit schon abgedeckt wurden. Ein verzeihlicher Irrtum, aber dennoch ein Irrtum, denn noch ist das Potential des Line-ups der Vorgängerkonsole nicht komplett ausgeschöpft. Welches Spiel hätte es noch verdient, vom gekenterten Wii-U-Schiff gerettet zu werden und auf der neuen Plattform das Publikum zu finden, das ihm zusteht?

Smash Grab statt Cash Grab: Super Smash Bros. for Wii U (Niklas)

Super Smash Bros. for Wii UJeder, der eine der letzten vier Nintendo-Konsolen sein Eigen nennt, hat mit großer Wahrscheinlichkeit schon Kontakt mit Super Smash Bros. gehabt. Seit dem Debüt der Reihe auf dem Nintendo 64 wurde jeder neuen Plattform des Spielzeugherstellers aus Kyoto ein Ableger spendiert – und das nicht zu Unrecht.

“Smash” ist als Prügelspiel-Pendant zu Mario Kart für jeden Spielertyp geeignet und deckt somit ein breites Feld potentieller Konsumenten ab. In seiner Natur leicht zu erlernen, aber schwierig zu meistern, kann Super Smash Bros. sowohl tolles Partyspiel als auch knallhartes Aufeinandertreffen spielerischer Fähigkeiten sein. Damals hat Nintendo schlau erkannt, wie ein zugänglicheres Kampfsystem mit simplerer Steuerung und bis zu vier Spielern in einem Match, gewürzt mit einigen Zufalls-Elementen wie Items und Hindernissen in den Stages, trotz oder vielleicht wegen des Chaosfaktors im Couch-Multiplayer funktionieren kann. Den geübten Spielern mit genug Optionen ein faires Kräftemessen zu ermöglichen ist da natürlich eine tolle Sache und der entscheidende Punkt, weshalb Smash Bros. immer noch eine aktive Competitive-Szene hat.

Der auf der Wii U erschienene vierte Teil der Reihe konnte zwar den GameCube-Vorgänger Melee nicht als den beliebtesten und besten Teil ablösen, doch überzeugte das Spiel vor allem in einer sehr ausschlaggebenden Kategorie: dem Umfang. Eine gigantische Kämpferauswahl mit nunmehr 58 verschiedenen Charakteren aus dem Nintendo-Universum und darüber hinaus, zahlreiche Stages und ein Stage-Editor, der recht spartanische Eigenkreationen möglich machte, mehr Spielmodi als je zuvor, die erstmals bis zu acht Spieler gleichzeitig in den Kampf schickten, umfangreiche Match-Mutatoren, GameCube-Controller-Unterstützung per Adapter, Funktionalität mit dem 3DS, Miis und amiibo-Support, unzählige Trophäen zum Sammeln, ein stabiler und äußerst spaßiger Online-Multiplayer… und dann wurde dieses pralle Paket auch noch technisch ausgezeichnet zusammengeschnürt und läuft in 1080p mit butterweichen 60 Bildern pro Sekunde!

Ich hätte diese Liste noch viel ausschweifender machen können, aber der Punkt ist trotzdem sicherlich jedem klar geworden. Es gibt so viele verschiedene Arten, Smash Bros. U zu spielen – oder mit Smash Bros. U zu spielen. Ich habe selbst enorm viel Zeit in das Spiel investiert, mal im Singleplayer, mal im lokalen Mehrspieler mit Freunden oder online. Eine überarbeitete Version als Super Smash Bros. U Complete Edition auf die Nintendo Switch zu bringen, die jeglichen veröffentlichten DLC enthält (dieser ist nämlich ziemlich teuer), bietet sich aus den oben genannten Gründen mehr als an. Im Gegensatz zu Hyrule Warriors werde ich bei Smash Bros. nämlich niemals das Gefühl bekommen, das Spiel “totgespielt” zu haben.

Satz mit X: Xenoblade Chronicles X (Pascal)

Xenoblade Chronicles XMir ist zu Ohren gekommen, dass Xenoblade Chronicles 2 ja durchaus seine Fans haben soll. Mich persönlich hat das Spiel mit seiner lethargischen sowie kitschigen Story leider absolut nicht begeistern können – von den Charakterdesigns möchte ich gar nicht erst anfangen. Auch kann ich so langsam keine JRPGs mit ausgetrampeltem Fantasy-Setting mehr sehen. Zum Glück kommt der Wii-U-Ableger der Xenoblade-Reihe, Xenoblade Chronicles X, mit einem originelleren Sci-Fi-Setting daher. Die Geschichte über Androiden, welche nach dem Untergang der Menschheit einen neuen Planeten kolonialisieren, ist vor allem im Videospielbereich angenehm unverbraucht. Xenoblade Chronicles X schafft es zudem, diese Prämisse ganz ohne stundenlange Cutscenes fruchten zu lassen.

Es ist ein Open-World-Spiel, für welches „größer“ ausnahmsweise auch „besser“ bedeutet. Den Entwicklern gelang es in Xenoblade Chronicles X, weitläufige Steppen kohärent mit durchstrukturierteren offenen Arealen zu verweben. Der interessanteste Bereich des fiktiven Planeten Mira ist das Noctilum. Hierbei handelt es sich um einen Weltraum-Urwald atemberaubender Proportionen voller fantasievoller Flora und Fauna. Doch vor allem brilliert es in seinem exzellenten Leveldesign. Es entsteht die typische Sogwirkung der Ubisoft-Checkliste, ohne aber je in einfallslose Repetition zu verfallen. Die enorme Vertikalität sowie die vielen verwinkelten Wege, welche die Leveldesigner durch natürliche Nutzung der Flora eingebaut haben, sorgen dafür, dass die Erkundung stets abwechslungsreich bleibt. Auch die Belohnungen, welche für das Erschließen neuer Objekte und Bereiche vergeben werden, fügen sich harmonisch in den Gesamtkontext der Geschichte ein. Auf diese Weise fühlt sich jede kleinste Tat wie ein Gewinn für die Zukunft der menschlichen Rasse an.

Wie es sich für einen Xenoblade-Ableger gehört, bietet auch X ordentlich Umfang für sein Geld. Für all diejenigen, auf die eine Hauptstory von mindestens 60 Stunden eher abschreckend wirkt, dürfte die portable Natur der Nintendo Switch das Erlebnis deutlich leichter verdaulich machen. Natürlich – auch die Wii U hatte ihr Off-TV-Play. Aber dieses hat den Spieler immer noch ans eigene Wohnzimmer gefesselt. Hinzu kommt, dass das Spiel auf diese Weise nur schwerlich ohne Lupe spielbar war. Die Entwickler waren nämlich so geschickt, die ohnehin schon winzigen Menütexte des TV-Modus 1:1 auf das 480p-Display des Gamepads zu übertragen. Auch das Wegfallen der Gamepad-Pflicht dürfte für Pro-Controller-Puristen ein großer Pluspunkt einer etwaigen Switch-Version sein. Das Auslagern der Weltkarte auf das Gamepad war ohnehin so unausweichlich, wie es unnötig war.

Xenoblade Chronicles X dürfte der Ableger der Reihe sein, welcher bisher am meisten polarisierte. Doch trotz seiner unbestreitbaren Makel ist es ein Titel, welcher zu einzigartig ist, um ihn auf einer Konsole wie der Wii U verrotten zu lassen. Es ist ein Spiel für jene, die lieber ein originelles und gewagtes Spiel entdecken, anstatt mit einem Produkt abgespeist zu werden, welches krampfhaft versucht, so viele Zielgruppen wie möglich abzugreifen.

Koopas und Kompromisse: New Super Mario Bros. U (Tim)

New Super Mario Bros. UNew Super Mario Bros. U war sicherlich der bisher größte in einer längeren Reihe von Schlägen ins Gesicht der Fans klassischer Mario-Abenteuer. Ein völlig lieblos zusammengeklatschter Aufguss eines Wii-Spiels, das seinerseits nur ein Aufguss eines DS-Spiels war, das seinerseits nur ein Aufguss der alten Bros.-Teile war. Ein uninspiriertes Editor-Produkt – und um noch einen draufzusetzen, gab’s später dann genau diesen Editor zu kaufen, nach dem Motto: “Schaut, so leicht geht das. Macht’s euch doch einfach gleich selber.”

Warum will ich es dann auf der Nintendo Switch sehen, wenn ich es doch so wenig leiden kann? Weil Nintendo letztlich immer noch Nintendo ist. Weil sie selbst ein Billigspiel wie dieses nicht ganz in den Sand setzen konnten.

Seine Oberweltkarte ist erstaunlich groß, reich an Um- und Geheimwegen sowie optionalen Orten und baut die Welt seines direkten Vorgängers von der Wii aus, wie es sich für einen Nachfolger gehört. Das aus früheren NSMB-Titeln bekannte Moveset inklusive Dreifachsprung, Luftpirouette, Wario-esker Arschbombe und Rutschen an glatten Oberflächen bereichert einmal mehr die bewährte Vielzahl an Möglichkeiten, das Ziel zu erreichen.

Zugleich findet der Mario-Veteran hier alles so vor, wie er es aus Super Mario Bros. 3 und World in Erinnerung hat: von den großen, in alle Richtungen erkund- und veränderbaren sowie konzeptionell erstaunlich spannenden Leveln über den angenehm konstant ansteigenden Schwierigkeitsgrad bis hin zu den Power-Ups, die man aufbewahren, nach Belieben einsetzen und damit die Dynamik eines Levels beeinflussen kann. Nicht das schlechteste Konzept zum Kopieren, nur eben schon alt, bekannt und altbekannt. Nichts sticht wirklich hervor. Es war schlicht nicht mehr als damals. Im Jahr 2012 hatten die Fans mehr verdient, und das hat sich leider bis heute nicht geändert.

New Super Mario Bros. U war kein Geschenk, sondern ein Mittelfinger. Dummerweise nur ist selbst dieser Mittelfinger das beste Mario-Spiel der letzten 25 Jahre und wäre daher durchaus berechtigt, auf der Nintendo Switch noch einmal etwas Absatz zu machen. Viel dürfte das nicht sein, war es ja bereits auf der Wii U ein zu offensichtlicher Aufguss, um an den enormen Erfolg seines Wii-Vorgängers auch nur im Entferntesten anzuknüpfen. Die Hauptsache jedoch ist: falls Nintendo wieder vorhat, drei Jahre zu warten, bis es sich endlich den Wünschen seiner Zielgruppe ergibt und ein neues 2D-Mario entwickelt, kaufe ich lieber New Super Mario Bros. U nochmal, um die Wartezeit zu überbrücken.